Für KI-Assistenten wie ChatGPT, Perplexity oder Google Gemini sind nicht alle Bewertungsplattformen gleich wichtig. Welche Portale zitiert werden, hängt stark von deiner Branche und deinem Standort ab. Wer die richtigen Plattformen kennt und dort aktiv ist, erhöht die Chance, bei relevanten Suchanfragen genannt zu werden.

Warum Plattformen je Branche unterschiedlich wirken

Ein Google Business Profile (kurz GBP, das kostenlose Unternehmensprofil von Google mit Adresse, Öffnungszeiten und Kundenbewertungen) ist für fast jeden Betrieb Pflicht. Aber es ist selten genug.

KI-Systeme werden mit großen Mengen an Textdaten trainiert und lernen dabei, welche Quellen für bestimmte Themen als glaubwürdig gelten. Für eine Zahnarztpraxis taucht Jameda in diesen Quellen häufiger auf als für ein Autohaus. Für ein Restaurant ist Tripadvisor relevanter als für einen Friseur.

Das bedeutet praktisch: Wenn jemand fragt „Welches Restaurant in Wien hat die besten Bewertungen?", greift die KI typischerweise auf Quellen zurück, die für Gastronomie bekannt sind – also Tripadvisor, TheFork oder den Guide Michelin. Dein GBP-Profil allein reicht hier nicht aus.

Branchenübersicht – welche Portale besonders zählen:

  • Gastronomie: Google, Tripadvisor, TheFork (früher La Fourchette), Michelin Guide
  • Gesundheit (Ärzte, Therapeuten): Google, Jameda (DE), DocFinder (AT), Doctolib (für Terminbuchung)
  • Beauty & Wellness (Friseur, Kosmetik): Google, Treatwell, Booksy
  • Unterkunft (Hotel, Pension): Google, Booking.com, Tripadvisor
  • Handwerk & Dienstleistungen: Google, Trustpilot, Houzz (für Innenausbau/Architektur)
  • Einzelhandel: Google, Trustpilot, ggf. branchenspezifische Marktplätze

Wer in mehreren Kategorien tätig ist – etwa ein Café mit Eventbereich – sollte beide Stränge berücksichtigen.

DE vs. AT: Unterschiede bei beliebten Portalen

Deutschland und Österreich teilen viele Plattformen, aber nicht alle. Wer in Österreich tätig ist, sollte einige Besonderheiten kennen.

Jameda vs. DocFinder: Jameda ist in Deutschland die führende Bewertungsplattform für Ärzte und Heilberufe. In Österreich ist sie kaum verbreitet. Dort übernimmt DocFinder diese Rolle – eine österreichische Plattform mit eigenem Verzeichnis und Bewertungssystem. Wer eine Praxis in Wien oder Graz betreibt, sollte DocFinder priorisieren und Jameda eher ignorieren.

Herold.at: In Österreich gibt es mit Herold.at ein lokales Branchenverzeichnis, das für KI-Quellen im österreichischen Kontext eine Rolle spielen kann. Das deutsche Pendant (Gelbe Seiten) ist in Deutschland noch präsent, aber an Bedeutung hat es verloren.

Tripadvisor und Booking.com: Diese Plattformen funktionieren in beiden Ländern gleich gut und werden von KI-Systemen in beiden Kontexten zitiert. Für Tourismusbetriebe in Tirol oder Salzburg sind sie besonders wichtig.

Google selbst: GBP funktioniert identisch in DE und AT, ist aber in beiden Märkten der Ausgangspunkt. Ohne ein vollständig ausgefülltes Profil (Kategorie, Öffnungszeiten, Fotos, Antworten auf Bewertungen) verlierst du Sichtbarkeit auf beiden Plattformen – der KI-Suche und der klassischen Google-Suche.

Was „Bewertungsqualität" vs. „Bewertungsanzahl" praktisch bedeutet

Viele Betriebe fragen sich: Brauche ich mehr Sterne oder mehr Bewertungen? Die ehrliche Antwort: beides zählt, aber auf unterschiedliche Weise. Einen ausführlichen Vergleich dazu findest du in unserem Artikel Bewertungssterne vs. Review-Anzahl: Was davon beeinflusst deine Sichtbarkeit stärker?.

Qualität bedeutet hier: Bewertungen mit konkretem Text, der deine Leistung beschreibt. „Super Friseur, toller Haarschnitt" bringt wenig. „Die Colorierung hat genau so ausgesehen wie besprochen, und das Team hat sich Zeit genommen" – das ist verwertbar. KI-Systeme extrahieren solche Formulierungen und nutzen sie, um Empfehlungen zu begründen.

Anzahl bedeutet: Eine Plattform mit drei Bewertungen wird von KI-Systemen seltener als vertrauenswürdig eingestuft als eine mit fünfzig. Aber hundert generische Einzeiler ohne Text sind weniger wert als zwanzig ausführliche Erfahrungsberichte.

Die Faustregel: Zuerst Qualität sichern, dann Menge aufbauen. Wie du Kunden auf die richtige Art um Feedback bittest, erklärt dieser Artikel: Bewertungen auf Google bekommen: So fragst du Kunden um Feedback, ohne gegen Regeln zu verstoßen.

Wann KI eine Quelle direkt übernimmt (Beobachtungen)

KI-Assistenten zitieren Plattformen nicht zufällig. In unseren Messungen zeigen sich typische Muster:

  • Plattformen mit strukturierten Daten (Öffnungszeiten, Kategorien, Preisklassen) werden häufiger als Quelle herangezogen als reine Textseiten.
  • Wenn eine Plattform in der Frage selbst erwähnt wird (z. B. „laut Tripadvisor"), übernimmt die KI die Quelle direkt.
  • Betriebe, die auf mehreren thematisch passenden Plattformen konsistent vertreten sind, tauchen in KI-Antworten häufiger auf als solche, die nur auf Google präsent sind.
  • Antworten des Betreibers auf Bewertungen werden von KI-Systemen typischerweise mitgelesen und können die Darstellung beeinflussen. Wie du dabei vorgehst, ohne Fehler zu machen: Auf negative Bewertungen richtig antworten: Vorlage-Strategie für Betriebe in Deutschland und Österreich.

Was KI konkret aus Bewertungstexten herausliest und welche Formulierungen sie bevorzugt übernimmt, erklären wir ausführlich in diesem Artikel: Was KI aus Bewertungen „liest": So erkennst du, welche Formulierungen wirklich übernommen werden.

Priorisierung: 3 Plattformen zuerst

Viele Inhaber fühlen sich überfordert, wenn sie die Liste aller möglichen Plattformen sehen. Die gute Nachricht: Du musst nicht überall aktiv sein. Drei gut gepflegte Profile bringen mehr als zehn halbfertige.

Branche Plattform 1 Plattform 2 Plattform 3
Gastronomie (DE/AT) Google Business Profile Tripadvisor TheFork
Arztpraxis (DE) Google Business Profile Jameda Doctolib
Arztpraxis (AT) Google Business Profile DocFinder Doctolib
Friseur / Beauty Google Business Profile Treatwell Booksy
Hotel / Pension Google Business Profile Booking.com Tripadvisor
Handwerk Google Business Profile Trustpilot Houzz

So gehst du vor:

  1. GBP vollständig ausfüllen: Kategorie, Beschreibung, Öffnungszeiten, Fotos, und mindestens einmal pro Monat eine Antwort auf eine Bewertung schreiben.
  2. Branchenplattform anlegen oder beanspruchen: Viele Betriebe haben dort bereits ein automatisch erstelltes Profil – das solltest du übernehmen und vervollständigen.
  3. Bewertungen aktiv einwerben: Nicht kaufen, nicht manipulieren – sondern Kunden nach einem positiven Erlebnis gezielt ansprechen. Wie das regelkonform geht, erklärt dieser Leitfaden: Bewertungen einwerben: So bittest du um Feedback, ohne dass Kunden gegen Plattform-Regeln verstoßen.

Wie du prüfst, ob du bereits sichtbar bist

Bevor du viel Zeit in neue Profile investierst, lohnt es sich zu wissen, wie du aktuell dastehst. Frag einfach ChatGPT oder Perplexity: „Welcher [deine Branche] in [deine Stadt] wird empfohlen?" – und schau, ob dein Betrieb auftaucht.

Mit dem kostenlosen Check von suggestedby.ai kannst du gezielt messen, ob KI-Assistenten deinen Betrieb bei relevanten Suchanfragen nennen. Das gibt dir eine klare Ausgangslage, bevor du entscheidest, auf welcher Plattform du als nächstes aktiv wirst.

Das Ziel ist nicht, überall präsent zu sein. Es geht darum, auf den drei oder vier Plattformen, die für deine Branche und deinen Standort wirklich zählen, so vollständig und glaubwürdig aufzutreten, dass KI-Systeme dich als relevante Antwort erkennen.